Bericht - Rückert-Gymnasium Berlin

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Histoire Exkursion in die Topographie des Terrors

Eindrucksvoll, schockierend und sehr interessant: Abschließend zum Thema Nationalsozialismus in Deutschland besuchte der Grundkurs Histoire mit Frau Kraft die Topographie des Terrors am vergangenen Donnerstag.

An diesem wolkenverhangen Morgen trafen wir uns zwischen internationalen Touristen- und Schülergruppen an dem Ort, an dem sich früher die Zentrale der geheimen Staatspolizei befand. Nach einem eher kühleren Willkommen fanden wir uns in einem Seminarraum des Museums zusammen, wo unser Guide Sebastian mit unserer Lehrerin und uns die Ereignisse rekapitulierte, die den Nazis den Weg in ihre Schreckensherrschaft ebneten.

Im Anschluss folgte eine Führung zu einzelnen Bilder der Ausstellung, die sehr ins Detail ging. Zum Beispiel zeigte uns Sebastian das Bild einer Hinrichtung. Man weiß nicht genau, wann oder wo das Bild aufgenommen wurde. Man geht aber von der Sowjetunion 1941/1942 aus. Genauso wenig weiß man, wer der Mann ist, der scheinbar seelenruhig den Schuss erwartet. Bekannt ist nur, dass der Schütze der deutschen Sicherheitspolizei angehörte. Dieses Bild ist ohnehin schon furchtbar, aber wir hätten uns wahrscheinlich nicht so genau mit dem Bild auseinandergesetzt, wenn unser Guide uns nicht mit gezielten Fragen dazu gebracht hätte, genauer darüber nachzudenken. Man versteht erst die brutale Systematik der Nazis, wenn man mithilfe seines Fachwissens anfängt, die kleinsten Details zu analysieren, bis hin zum Fotografen, der bewusst ein Hochformat für sein Bild gewählt hat, um die Leichen, das Opfer und die Täter auf ein Bild zu bekommen. Die blitzblank sauberen Lederstiefel des  mordenden Sicherheitspolizisten während dieser Hinrichtungen waren ein weiteres Detail, auf das wir aufmerksam wurden und analysierten.

Besonders schockierend waren die Zahlen der penibel dokumentierten Hinrichtungen in Vilnius und Umland, im heutigen Litauen, wo die Nazis über einen Zeitraum von fünf Monaten 100.000 Menschen erschossen. Blieben Kinder zunächst verschont, so wurden sie gegen Ende systematisch ermordet: An einem einzigen Tag  hatte die SS, angeordnet vom Reichssicherheitshauptamt unter Heinrich Himmler (heute die Topographie des Terrors)  mehr Kinder ermordet als Männer und Frauen in einem ganzen Monat.

Die Perversion wird noch schlimmer, wenn man sieht, dass viele Opfer als „überflüssige Menschen“ bezeichnet wurden.

Nach der Führung, in der uns noch weitere Fotos und Dokumente gezeigt und erklärt wurden, gingen wir wieder in den Seminarraum und befassten uns in Arbeitsgruppen mit einer Hitlerrede und sogenannten Schutzhaftbefehlen. Diese Befehle sorgten dafür, dass politische Gegner oder Menschen, die nicht ins Bild der Nazi-Ideologie passten in Konzentrationslager inhaftiert wurden. Sehr interessant war das Beispiel von Elisabeth Plücker, die auch heute noch als mutiges Vorbild angesehen werden kann. Aufgewachsen in einem Waisenhaus, ließ sie sich von ihrem Mann, einem gewalttätigen Trinker, scheiden und zog alleine drei Kinder groß, half schwangeren Frauen und engagierte sich in der KPD, die ihr viel Vertrauen schenkte. Meinungsfreiheit, Pluralismus und  Rechtstaatlichkeit waren 1933 systematisch abgeschafft worden.

Als wir nach dem Seminar über das Gesehene sprachen, zeigte sich, wie gut uns unser Guide Sebastian unterstützte, die Zusammenhänge zu verstehen und uns mit den Dokumenten auf eine tiefgreifende Weise auseinanderzusetzen.

Der Besuch in der Topographie des Terrors hilft uns sehr, zu verstehen, wie es das NS-Regime über ein Jahrzehnt hinweg schaffte, die menschenverachtende Rassenideologie in den eroberten Gebieten Osteuropas auf grausamste Art umzusetzen und lässt uns auch daran denken, wie man in der Zukunft so etwas verhindern oder ihm entgegenwirken kann.

Wir können einen Besuch und vor allem die Führung in der Ausstellung nur empfehlen und danken allen Beteiligten.

Histoire GK, Gian D. Gantenbein




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