Geo-Vortragsreihe Thema: Migration und Entwicklung - Rückert-Gymnasium Berlin

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Geographie in schwierigen Zeiten

Migration und Entwicklung

Am 10.3.2020 hielt Frau Prof. Dr. Antonie Schmiz in der Aula des Rückert-Gymnasiums einen Vortrag zum Thema „Migration und Entwicklung - neue Debatten in geographischer Perspektive“ für Oberstufenschülerinnen und -schüler. An diesem Tag beherrschten die Berichterstattung in den Medien zwei Themen: die Flüchtlingskrise an der Grenze zwischen der Türkei und Griechenland und das Corona-Virus. Das erste Thema hatte unmittelbaren Bezug auf den Inhalt des Vortrages, das zweite sorgte für einen recht übersichtlichen Teilnehmerkreis. Noch beim letzten Vortrag der Reihe mussten wir Schülergruppen absagen, weil die Aula des Rückert-Gymnasiums ausgebucht war, dieses Mal blieben viele Stühle unbesetzt. Die Anwesenden allerdings erlebten einen sehr informativen und interessanten Vortrag.
 

Prof. Dr. Antonie Schmiz beim Vortrag

Die Ausführungen umfassten vier Bereiche, die hier nur knapp angerissen werden können.* Nach einigen Erklärung zum Fachvokabular wurde die Relevanz des Themas anhand stetig steigender Veröffentlichungszahlen der geographischen Forschung, und zwar analog zur übrigen Wissenschaft, dargestellt.

Es folgte eine Übersicht zur Geschichte der globaler Migrations- und Entwicklungspolitik, aus der hervorgeht, dass dieses Thema in den letzten 30 Jahren auch im politischen Bereich zunehmend an Relevanz gewonnen hat. Die Dozentin stellte dar, dass die getrennten Bereiche „Migrationspolitik“ und „Entwicklungspolitik“ in den vergangenen 30 Jahren zunehmend miteinander verschmolzen und somit aktuell als ein neues Politikfeld verstanden werden müssen.

Im Hauptteil des Vortrages ging es dann um die geographische Forschung zu Migration und Entwicklung. Hier wurde zunächst auf zwei methodologische Denkfallen verwiesen, die auch in der Geographie lange ihre Wirkung zeigten: die ideologische und die territoriale Denkfalle. Die ideologische Denkfalle zeichnet sich dadurch aus, dass Migrationsoptimisten, die eher der Modernisierungstheorie anhängen, den Migrationspessimisten, eher Vertreter der die Dependenztheorietheorie, gegenübergestellt wurden. Letztlich ist das eine Vereinfachung, die der Komplexität des Problems nicht gerecht wird. Die territoriale Denkfalle geht darauf zurück, dass die räumliche Erfassung von Migration und Entwicklung vornehmlich unter dem Gesichtspunkt des Containerraums betrachtet wurde. Diese Betrachtungsweise wird aber weder den Herkunfts- noch den Zielländern gerecht, da vor allem der Gesichtspunkt der Separation im Vordergrund steht. Auf das praktische Scheitern der großen Theorien (Modernisierung vs. Dependenz) folgte neue Schwerpunktsetzungen in der Forschung, für die die Dozentin als Beispiele die Auseinandersetzung mit Rücküberweisungen von Migranten (die in einigen Ländern erhebliche Teile des Bruttoinlandproduktes ausmachen) sowie die verändernden Auswirkungen von Rückwanderungen auf die Herkunftsländer anführte. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Untersuchung der Diaspora, also der Vernetzung von Migranten im Zielland und die daraus folgenden möglichen Entwicklungen. Schließlich wies sie darauf hin, dass es nicht um die Bekämpfung von Flüchtlingen, sondern um die der Fluchtursachen geht. In einem Ausblick sprach sie das Ziel an, mit Hilfe geographischer Bildung die Lebenslage von Migrantinnen und Migranten verstehen und beurteilen zu lernen.

Im Anschluss an den Vortrag konnten die Schülerinnen und Schüler Fragen zu Ausführungen stellen, die sie nicht genau verstanden hatten bzw. genauer erläutert haben wollten. Diese Möglichkeit wurde rege genutzt.


Dr. J.Balke, Schulleiter; Dr. Ch.Ellger, GeoUnion; Prof. Dr. A. Schmiz, FU Berlin; F.Dylong, Fachleiter Geographie, K. Rinklake, VDSG

Wir bedanken uns herzlich bei Frau Prof. Dr. Schmiz für den Vortrag, in dem sie wichtige Aspekte der Themen des dritten und vierten Semesters anschaulich, auf dem Stand der Wissenschaft und dennoch auch für Schülerinnen und Schüler verständlich darlegte.

Wir hoffen, die Reihe im Herbst fortsetzen zu können.

Klemens Rinklake

*  Freundlicherweise stellte die Dozentin den Zuhörern im Anschluss an die Veranstaltung Kopien eines Aufsatzes zur Verfügung, in dem tragende Elemente des Vortrages enthalten sind:
Malte Steinbrink und Antonie Schmiz: Migration & Entwicklung - neue Debatten um ein altes Thema
in: Werner Gamerith und Nadine Scharfenort (Hrsg.): Menschen, Migration und Mobilität.
Passau 2019 (Passauer Kontaktstudium Geographie 15)
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